In einem Gefecht gilt das Gebot “Treffen ohne getroffen zu werden!”. Hierfür muss der Fechter über körperliche und geistige Eigenschaften wie Konzentration, Kraft, Ausdauer, Taktik, Reaktionsvermögen, Risikobereitschaft, Logik, Geduld, Präzision, Entschlusskraft und Willenstärke verfügen. Diese Eigenschaften sind im Fechten immer im Spiel und müssen im Training wie im Wettkampf blitzschnell umgesetzt werden.
Dieser Sport ist sehr anstrengend, da man ständig in Bewegung und unter Körperspannung bleiben muss, um jederzeit in Sekundenbruchteilen auf Aktionen des Gegners reagieren oder dessen Fehler ausnutzen zu können. Aber trotz der Athletik und der Dynamik, ist Fechten eine sehr elegante Sportart- manche sprechen sogar von einer Kunst. Eine Fechtkunst die fasziniert.
Fechten kann man übrigens auch mit Handicap. Der Deutsche Fechter-Bund kooperiert eng mit dem Deutschen Rollstuhl-Sportverband. Viele deutsche Vereine bieten Rollstuhlfechten an.
Im heutigen Sportfechten gibt es drei verschiedene Waffen: Degen, Florett und Säbel. Die drei Waffen unterscheiden sich in Trefferfläche und Regelwerk, so dass für jede Waffe eine charakteristische Kampfweise zu beobachten ist.
Das Florett ist eine reine Stichwaffe. Treffer können nur mit der Spitze erzielt werden. Ein Florett wiegt max. 500 Gramm. Es darf nicht länger als 110 Zentimeter sein. Die Florettklinge hat einen rechteckigen Querschnitt und verjüngt sich zur Spitze hin. Ab der Glocke darf die Klinge einschließlich Spitze nicht länger als 90 Zentimeter sein.
Gültige Trefffläche im Florett ist der Rumpf ohne den Kopf, ohne Arme und Beine. Eine Trefferanzeige wird erst ausgelöst, wenn der auf der Klingenspitze sitzende Spitzenkopf mit mehr als 500 Gramm Druck eingedrückt wird. Dies wird vor jedem Gefecht vom Kampfrichter mittels eines 500 Gramm schweren Prüfgewichts überprüft.
Im Florett gilt ein Treffervorrecht: Wer angegriffen wird kann nur dann einen gültigen Treffer setzten, wenn er den Angriff zuvor abwehrt. Es sei denn der Angriff des Gegners verfehlt sowohl die gültige als auch ungültige Trefffläche des Angegriffenen.
Der Säbel ist eine Hieb– und Stichwaffe. Es können sowohl mit der Spitze als auch durch Hiebe mit Schneide oder Rückschneide Treffer erzielt werden.
Der Säbel ist die leichteste Waffe, denn die 500 Gramm Höchstgewicht bringt er meist nicht auf die Waage. Er darf insgesamt nicht länger als 105 Zentimeter sein. Die schmale Säbelklinge wird zur Spitze hin extrem flach und biegsam. Ab der Glocke darf die Klinge nicht länger als 88 Zentimeter sein.
Gültige Trefffläche im Säbel ist der alles oberhalb der Gürtellinie. Die Trefferanzeige wird bei jeder Berührung der Klinge mit der gültigen Trefffläche, also der elektrisch leitenden Jacke oder Maske des Gegners ausgelöst.
Im Säbel gilt wie auch im Florett ein Treffervorrecht. Anders aber als beim Florett werden Treffer auf ungültiger Fläche nicht angezeigt. Außerdem müssen Hiebe sehr exakt und mit richtigem Abstand zum Gegner pariert werden, damit die flexible Klinge nicht "drüberschwappt" und doch noch Ärmel oder Jacke erwischt. Deshalb agieren Säbelfechter sehr offensiv, jagen sich oft mit atemberaubender Geschwindigkeit über die Bahn.
Der Begriff Degen kommt aus dem Französischen (degue), und das heisst soviel wie langer Dolch. Es handelt es sich um eine Stichwaffe mit einer langen, schmalen, dreikantigen, elastischen und geraden Klinge.
Er entwickelte sich zum Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Rapier und war nicht nur beim Militär, sondern auch bei reichen Bürgern und Adligen verbreitet. Zudem wurde er von Anfang an zum Fechten verwendet, das er revolutionierte, da er aufgrund seines geringeren Gewichtes und Schwerpunktes das Fechten mit Parade und Riposte ermöglichte.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden Degen nur noch von Offizieren und der schweren Kavallerie getragen. Auch heute noch gibt es in verschiedenen Armeen entsprechende Degen.
Der Degen ist wie das Florett eine reine Stichwaffe, jedoch mit 770 Gramm Höchstgewicht bedeutend schwerer. Er darf wie auch das Florett insgesamt nicht länger als 110 Zentimeter sein. Die Degenklinge hat einen dreikantigen Querschnitt und verjüngt sich zur Spitze hin. Ab der Glocke darf die Degenklinge einschließlich Spitze nicht länger als 90 Zentimeter sein.
Gültige Trefffläche im Degen ist der gesamte Körper! Eine Trefferanzeige wird erst ausgelöst, wenn der auf der Klingenspitze sitzende Spitzenkopf mit mehr als 750 Gramm Druck und um mindestens 1,0 Millimeter eingedrückt wird. Letzteres wird vor jedem Gefecht vom Kampfrichter überprüft.
Im Degen gibt es kein Treffervorrecht: Es geht nur darum, als erster zu treffen. Gleichzeitige Treffer innerhalb von 0,05 Sekunden werden – das gibt es nur im Degenfechten – beiden Fechtern mit je einem Punkt gewertet. Weil man dadurch als Angreifer sehr leicht einen Gegentreffer erhalten kann, wird im Degen mitunter sehr taktisch und auf Fehler des Gegners lauernd gefochten.
1. Maske
2. Jacke
3. Unterziehweste
4. Handschuh
5. Waffe
6. Hose
7. Fecht-Strümpfe
8. Schuhe
9. Körperkabel für Fechten mit elektrischer Trefferanzeige
10. Brustschutz aus Plastik unter der Jacke (bei Mädchen und Frauen vorgeschrieben)
11. Leitende Brokatweste/-jacke bei elektrisch Florett/Säbel
12. Tiefschutz bei Jungen und Männern (nicht vorgeschrieben, aber ratsam)
Die Frage nach der Sicherheit wird beim Fechten immer wieder - vor allem von Außenstehenden - gestellt. Durch die dynamische athletische Entwicklung im Fechtsport mussten von der F.I.E. 1986 neue Sicherheitsmaßstäbe an Bekleidung, Masken, Fechtwaffen und Fechtweise gesetzt werden. Diese Maßstäbe werden laufend überprüft und von der F.I..E. gegebenenfalls noch erhöht.
Jacke, Unterweste und Hose müssen jeweils einer Kraft von 800 Newton pro Quadratzentimeter standhalten. Der Maskenlatz muss 1.600 Newton, das Maskengitter 3.000 Newton pro Quadratzentimeter standhalten. (9,81 Newton entsprechen einem Gewicht von einem Kilogramm.)
Das Textilforschungs-Institut in Denkendorf (Kreis Esslingen bei Stuttgart) testet die Stoßfestigkeit mit einem Dorn aus Stahl, der einen quadratischen Querschnitt von drei Millimeter Seitenlänge hat – er ist also ungefähr so dick wie ein Streichholz und hat zudem eine Spitze mit einem Winkel von 120 Grad. Dieser Dorn saust mit einem Gewicht von 19 Kilogramm aus einer Höhe von 2,60 Metern auf das straff gespannte Textil. Dabei wird das Textil der Fechtkleidung nicht durchstoßen. Noch viel härteren Tests - Stoßen, Ziehen, Quetschen und anderes - müssen die Masken standhalten.
Im Inneren der Spitzenhülse sitzt der Spitzenkopf auf einer Druckfeder, die beim Florett 500 Gramm, beim Degen 750 Gramm Gewicht tragen muss. Wenn der Spitzenkopf mit mehr Kraft als diesem Mindestgewicht entspricht eingedrückt wird, schließt sich beim Degen ein elektrischer Kontakt, der die Trefferanzeige auslöst. Übertragen wird das Signal mittels dünner Drähte, die in einer Rille entlang der Klingenoberseite eingeklebt sind und am Anschluss für das Körperkabel in der Glocke enden. Beim Florett öffnet sich durch Drücken des Spitzenkopfes umgekehrt ein Kontakt, wodurch die Anzeige "ungültig" ausgelöst wird. Schließt sich zugleich der Kontakt mit des Gegners Brokatweste, so wird die Anzeige "gültig" ausgelöst. Die Glocken der Fechtwaffen sind mit dem Masse- Pol verbunden, so dass Stöße auf die gegnerische Waffe keinen Treffer anzeigen. Ein Säbel besitzt weder Spitzenkopf noch Spitzenhülse. Die Klinge endet stumpf und löst bei Hieben durch bloßen Kontakt mit der leitenden Brokatjacke des Gegners die Trefferanzeige aus.
Die Fechtbahn oder “Planche” ist 14m lang und 1,5m bis 2m breit. Sie besteht aus Metall (Kupfer) oder anderen lektrisch leitenden Materialien.
Ihre Markierungen sind die Mittellinie, die Startlinien, die Warnlinien sowie die beiden hinteren Begrenzungslinien. Zwischen Warnlinie und hinterer Begrenzung befindet sich ein markierter Bereich, der dem Fechter anzeigt, dass er sich dem Bahnenende nähert.
Überschreitet ein Fechter mit beiden Füßen die hintere Begrenzungslinie, so erhält er einen Straftreffer. Wenn ein Fechter die seitliche Begrenzungslinie übertritt, wird das Gefecht unterbrochen. Verlässt der Fechter die Fechtbahn seitlich mit beiden Füßen, so wird er einen Meter zurück gestellt.
Bei den Einzel-Wettkämpfen wird zuerst in Runden bis auf fünf Treffer gefochten. Die maximale reine Kampfzeit beträgt drei Minuten, außer ein Fechter erreicht zuvor fünf Treffer.
Steht das Gefecht nach dieser Zeit unentschieden, so wird ausgelost, welcher Fechter gewonnen hat, wenn innerhalb einer Kampfverlängerung von einer Minute kein weiterer Treffer fällt. Jeder einzelne Treffer beendet sofort das Gefecht.
Nach den Runden folgen die Direktausscheidung und die Finalgefechte, in denen auf fünfzehn Treffer gefochten wird. Die maximale Kampfzeit beträgt hier dreimal drei Minuten mit einer je einmünitigen Pause dazwischen. Steht das Gefecht nach Zeitablauf unentschieden, so wird - ebenso wie bei den Rundengefechten - gelost und die Kampfzeit um eine weitere Minute verlängert.
Bei Mannschaftskämfen treten Dreier-Mannschften gegeneinander an. Jeder Fechter tritt gegen jeden Fechter der gegnerischen Mannschaft im Stafetten-Modus an, somit ergeben sich neun Einzelgefechte. Die Fechter übernehmen den aktuellen Trefferstand und fechten innerhalb der regulären Kampfzeit von drei Minuten weiter bis zur nächsten Trefferstufe (5 Treffer nach dem ersten Gefecht, 10 Treffer nach dem zweiten, usw.). Der Mannschaftskampf ist beendet, wenn eine Mannschaft 45 Treffer gesetzt hat, oder zuvor die Zeit abgelaufen ist. Jede Mannschaft hat die Möglichkeit einen Fechter während des Mannschaftkampfes auszuwechseln.
Wenn während des ersten und zweiten Drittels eines Gefechtes in der Direktausscheidung und in den ersten acht Gefechten eines Mannschaftskampfes sich beiden Fechter zu passiv verhalten, so unterbricht der Obmann das Gefecht.und geht über ins nächste Drittel. Setzen die beiden Fechter ihr passives Verhalten fort, unterbricht der Obmann das gefecht erneut und geht über auf die letzte Minute der Kampfzeit. Diese Minute wird komplett gefochten, zuvor wird jedoch ein Vorteil ausgelost, der den Gewinner bestimmt für den Fall, dass dieses Gefecht unentschieden am Ende dieser Minute steht.
Im Fechtsport wird Fair-Play groß geschrieben. Die Regeln sind vom Weltverband F.I.E. (Fédération Internationale d’Escrime) zusammen gestellt und haben weltweit Gültigkeit. Verstößt ein Fechter während des Wettkampfes gegen diese Regeln, so wird er durch den Obmann mit einer gelben, roten oder schwarzen Karte bestraft. Die Karten haben folgende Bedeutung und Konsequenzen:
Gelbe Karte: Verwarnung, bei leichten Verstößen (z.B. Materialfehler, etc.)
Rote Karte: Straftreffer, bei schweren verstößen oder anstelle der zweiten gelben Karte
schwarze Karte: Ausschluss, bei besonders gravierenden Verstößen (z.B. Unsportlichkeit, Manipulation, Doping).
