Interview

Monika Sozanska gehört zu den besten deutschen Fechterinnen. Neben der Planche macht die gebürtige Polin mit schönen Fotos auf sich aufmerksam. Ein Gespräch über Teamgeist, Taktik und Olympia – ein Thema, das bei ihr Traum und Trauma zugleich ist.

Monika, fangen wir gleich ganz direkt an: Wie ging es dir dabei, Britta Heidemann beim Gewinn ihrer olympischen Goldmedaille zu Hause im Fernsehen zu beobachten?

Ich habe mich wahnsinnig für sie gefreut.

Ehrlich?
Ja. Klar.

Kein Neid?
Nein, wirklich nicht. Es tat natürlich weh, dass ich selbst nicht in Peking sein konnte, aber Britta hat mich so oft angerufen, dass ich fast das Gefühl hatte, dabei zu sein. Wir sind nicht nur Sparringpartnerinnen, sondern auch Freundinnen, deshalb habe ich mich ganz ehrlich mit ihr gefreut. Außerdem war ihr Sieg auch ein Gewinn für unseren Sport an sich – seitdem stehen wir alle mehr im Fokus der Öffentlichkeit.

Wie wichtig ist es im Individualsport Fechten, dass die Konkurrentinnen auch gute Teamkollegen sind?
Sehr wichtig. Sportlich gesehen braucht man ebenbürtige Trainingspartnerinnen und auch persönlich betrachtet ist es umso schöner, je besser man sich mit den anderen Mädels versteht.

Und bei euch passt das?
Ja. Sowohl im Nationalteam als auch in Heidenheim herrscht ein sehr freundschaftliches Klima. Wir sind zwar alle ziemlich verschieden, aber wir verstehen uns sehr gut.

Dein Trainer – sowohl in der Nationalmannschaft als auch am Stützpunkt – ist dein Vater. Ist das nicht komisch für dich und die anderen?
Nein, gar nicht. Es gibt feste Regeln, die gelten für mich genauso wie für alle anderen. Und mein Vater ist kein sehr autoritärer Trainer, bei uns darf jeder seine Meinung sagen. Durch diese Offenheit entstehen selten Spannungen oder Probleme.

Für diejenigen unter uns, die keine ganz großen Experten sind: Worauf kommt es denn beim Fechten an?
Puh, schwere Frage. Fechten ist eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Es kommt auf Koordination, Konzentration und das Reaktionsvermögen an, aber auch auf Kondition und Technik. Und am wichtigsten ist wohl der Kopf, der Wille. Ich habe schon Kämpfe gewonnen, obwohl ich körperlich längst am Ende war. Deshalb darf man auch die mentale Vor- und Nachbereitung der Wettkämpfe nicht vernachlässigen.

 

Noch so eine Laienfrage: Was macht dich ausgerechnet zu einer Degenfechterin?
Ich mag besonders das Spielerische beim Degenfechten. Säbel zum Beispiel ist viel schneller. Da beim Degen der ganze Körper als Trefferfläche zählt, ist die Taktik wichtiger. Ich muss meine Gegner pausenlos im Auge haben und meine Strategie anpassen – das liegt mir einfach.

Also ist es eine Frage des Talents?
Auch, ja. Talent ist eine Voraussetzung. Aber um Erfolg zu haben, sind eine ausgefeilte Technik sowie Training und Erfahrung unersetzlich.

Von wie viel Training sprechen wir in deinem Fall?
Ich trainiere gerne viel, eigentlich täglich und vor allem Fechten selbst – dreimal pro Woche mache ich eine intensive Fecht-Einheit. Dazu kommt Sprungkraft- und Schnellkrafttraining sowie Ausdauertraining. Beim Fechten wird der Körper ziemlich einseitig belastet, deshalb ist es auch wichtig, Ausgleichssport zu machen.

Klingt anstrengend.
Das ist es auch. Aber es macht Spaß.

Dazu kommen ja auch noch die Turniere.

Ganz genau, während der Saison fast jedes Wochenende. Aber man gewöhnt sich an den Rhythmus. Und ich finde es aufregend, zu den Weltcups zu reisen – so habe ich schon sehr viel von Welt gesehen.

Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Oder?
Mein größtes Hobby ist das Fechten und mit dem verbringe ich die meiste Zeit – insofern kann ich mich nicht beschweren. Meine anderen Hobbys sind Reisen und Mode und die sind mit meinem Leben gut vereinbar: Wenn ich zu Turnieren reise, schaue ich mir immer auch Stadt und Umgebung an – und nutze die Gelegenheit, um zu shoppen.

Apropos Mode, du bist ja auch hin und wieder als Model aktiv. Was macht mehr Spaß, Fechten oder Modeln?
Das ist schwer zu vergleichen. Modeln ist eine tolle Abwechslung. Es macht mir Spaß, mich zu präsentieren und in andere Rollen zu schlüpfen. Aber das Fechten ist ganz klar die Nummer eins in meinem Leben. Wenn ich nicht trainieren und kämpfen kann, bin ich gar nicht wirklich ich selbst.

Kann man eigentlich vom Degenfechten leben?
Naja, wer reich werden möchte, sollte besser etwas anderes machen. Aber es geht schon, man ist eben abhängig von Sponsoren und dem Verein. Preisgelder gab es bei uns Frauen zum ersten Mal im Januar 2009 in Doha. Das war auch nicht sehr viel, aber immerhin ein Fortschritt: Als ich bei einem Weltcup in Sydney einmal den zweiten Platz belegte, habe ich eine Flasche Wein und ein Plüschtier bekommen. Und weißt du, was das Beste war?

Nein.
(Grinst.) Den Wein durfte ich nicht mit nach Hause nehmen, sondern musste ihn am Flughafen abgeben.

Bevor wir in die Zukunft blicken, bleiben wir noch einmal in der Vergangenheit. Hast du es denn verkraftet, dass du zweimal so knapp eine Olympiateilnahme verpasst hast?
Das war sehr bitter. Aber ich habe es verkraftet und andere schöne Erfolge feien können. Und die besten Jahre für Fechter sind anscheinend sowieso die zwischen 25 und 30 – also müsste meine Zeit ja erst begonnen haben.

Bei den nächsten Olympischen Spielen 2012 in London wirst du 29 Jahre alt sein – das würde also passen. Was nimmst du dir dafür vor?
Um das genau zu sagen, ist es noch viel zu früh. Aber London ist mein ganz großes Ziel, darauf arbeite ich hin. Dort eine Medaille zu holen, wäre sicher die Krönung meiner Laufbahn.

Und was soll vorher noch kommen?
Einiges. Sowohl bei den deutschen Meisterschaften, als auch bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie im Weltcup würde ich gerne noch ein paar gute Platzierungen und Medaillen sammeln. Das größte Highlight vor Olympia wird die WM 2010 in Paris sein.

Warum gerade diese WM?
Frankreich ist das Ursprungsland des Fechtens, deshalb werden in Paris sehr viele Fans erwartet. Und das Allerbeste: Die Planche wird auf der Champs-Élysées stehen! Das wird garantiert ein Riesenspektakel. Dort eine Medaille zu holen – das wäre phantastisch.